Nachhaltigkeitsaussagen im Wandel
- Mandy Hindenburg

- 28. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr.
Warum Transparenz und Belege ab 2026 unverzichtbar werden
Der Druck auf grüne Versprechen wächst
In den letzten Jahren haben sich Nachhaltigkeitsaussagen zu einem zentralen Element der Unternehmenskommunikation entwickelt. Immer mehr Verbraucher:innen legen Wert auf ökologische und soziale Verantwortung und Unternehmen reagieren darauf, indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen als „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ bewerben. Doch während der Markt für grüne Produkte wächst, wächst auch die Skepsis: Wie glaubwürdig sind diese Aussagen wirklich? Und vor allem: Wie gut sind sie belegt?

Ab 2026 wurde diese Frage noch dringlicher. Die Europäische Union verschärft die Regeln für Umweltaussagen, um pauschale, irreführende oder unbelegte „Öko“-Versprechen zu erschweren. Unternehmen, die mit Nachhaltigkeit werben, müssen dann konkrete Belege vorlegen und ihre Aussagen transparent kommunizieren. Diese Entwicklung ist nicht nur eine regulatorische Herausforderung, sondern auch eine Chance, für Verbraucher:innen, die endlich Klarheit erhalten, und für Unternehmen, die ihre Glaubwürdigkeit stärken können.
Doch was bedeutet das konkret? Warum sind diese neuen Regeln notwendig? Und wie können Unternehmen sich darauf vorbereiten? In diesem Artikel wollen wir uns damit beschäftigen, warum Nachhaltigkeitsaussagen künftig strenger reguliert werden, welche Konsequenzen das hat und wie Unternehmen diese Veränderungen als Chance nutzen können.
Warum die EU Nachhaltigkeitsaussagen strenger reguliert
Die Europäische Union hat erkannt, dass der Markt für nachhaltige Produkte zwar wächst, aber auch zunehmend von Greenwashing geprägt ist. Greenwashing bezeichnet die Praxis, Produkte oder Dienstleistungen durch vage oder irreführende Umweltaussagen „grüner“ erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Studien zeigen, dass viele Verbraucher:innen solchen Aussagen misstrauen und das zu Recht. Oft fehlen klare Kriterien, unabhängige Prüfungen oder nachvollziehbare Daten, die die behauptete Nachhaltigkeit belegen.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, führt die EU ab 2026 strengere Regeln für Umweltaussagen ein, die unter dem Begriff „Green Claims“ oder „EmpCo“ (Environmental Claims Directive) zusammengefasst werden. Ziel ist es, Transparenz, Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit von Nachhaltigkeitsaussagen zu erhöhen. Unternehmen müssen dann nicht nur klar definieren, was sie unter „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ verstehen, sondern auch konkrete Belege vorlegen, die diese Aussagen stützen.
Lexware, ein führender Anbieter von Unternehmenssoftware, erläutert, dass diese neuen Regeln vor allem drei zentrale Anforderungen stellen:
Belegbarkeit: Umweltaussagen müssen durch wissenschaftliche Daten, Zertifikate oder unabhängige Prüfungen gestützt werden.
Transparenz: Verbraucher:innen müssen klar erkennen können, auf welchen Kriterien die Aussagen basieren und wie sie überprüft wurden.
Vergleichbarkeit: Aussagen müssen so formuliert sein, dass sie nicht irreführend sind und einen echten Vergleich zwischen Produkten ermöglichen.
Diese Regeln sind ein wichtiger Schritt, um Vertrauen in nachhaltige Produkte zu stärken und gleichzeitig Unternehmen zu motivieren, ihre Umweltperformance tatsächlich zu verbessern, statt sich hinter vagen Versprechen zu verstecken.
Chancen und Herausforderungen
Die verschärften Regeln für Nachhaltigkeitsaussagen bringen sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Für Unternehmen, die bisher mit pauschalen oder unbelegten Umweltversprechen gearbeitet haben, bedeutet die neue Regulierung, dass sie ihre Kommunikation grundlegend überdenken müssen. Wer weiterhin mit Nachhaltigkeit werben möchte, muss konkrete Daten, Zertifikate oder unabhängige Prüfberichte vorlegen können. Das erfordert nicht nur eine Anpassung der Marketingstrategie, sondern oft auch eine tiefgreifende Überprüfung der eigenen Lieferketten, Produktionsprozesse und Umweltstandards.
Doch die neuen Regeln bieten auch große Chancen. Unternehmen, die bereits heute auf Transparenz und Belege setzen, können sich als Vorreiter positionieren und das Vertrauen ihrer Kund:innen stärken. Wer nachweisen kann, dass seine Produkte tatsächlich nachhaltig sind, wird in Zukunft einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Denn Verbraucher:innen werden zunehmend kritischer und sie sind bereit, für echte Nachhaltigkeit einen höheren Preis zu zahlen.
Ein weiterer Vorteil der neuen Regeln ist, dass sie klare Spielregeln schaffen. Bisher war es für Verbraucher:innen oft schwer zu erkennen, welche Umweltaussagen glaubwürdig sind und welche nicht. Die strengere Regulierung wird hier für mehr Klarheit sorgen und Unternehmen, die sich an die neuen Standards halten, werden davon profitieren.
Wie Unternehmen sich auf die neuen Regeln vorbereiten können
Die verschärften Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen sind keine Bedrohung, sondern eine Einladung, die eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu überprüfen und zu verbessern. Unternehmen, die jetzt handeln, können sich nicht nur auf die neuen Regeln vorbereiten, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit und Reputation stärken.
Hier sind einige Schritte, die helfen können:
1. Bestandsaufnahme der aktuellen Umweltaussagen: Unternehmen sollten zunächst alle ihre aktuellen Nachhaltigkeitsaussagen sammeln und prüfen, ob sie den neuen Anforderungen entsprechen. Welche Aussagen sind konkret belegt? Wo gibt es Lücken oder vage Formulierungen? Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist der erste Schritt, um Handlungsbedarf zu identifizieren.
2. Sammlung und Aufbereitung von Belegen: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, muss künftig konkrete Daten, Zertifikate oder Prüfberichte vorlegen. Unternehmen sollten daher beginnen, ihre Umweltperformance systematisch zu dokumentieren. Das kann bedeuten, Lieferketten zu analysieren, CO₂-Bilanzen zu erstellen oder unabhängige Zertifizierungen einzuholen. Je transparenter und nachvollziehbarer die Daten sind, desto besser.
3. Anpassung der Kommunikation: Die neuen Regeln erfordern nicht nur bessere Belege, sondern auch eine klarere und transparentere Kommunikation. Unternehmen sollten ihre Umweltaussagen so formulieren, dass sie verständlich, nachprüfbar und nicht irreführend sind. Das bedeutet oft, auf pauschale Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ zu verzichten und stattdessen konkrete Fakten zu nennen, zum Beispiel: „Dieses Produkt besteht zu 100 % aus recycelten Materialien und wurde klimaneutral produziert.“
4. Schulung der Mitarbeiter:innen: Nachhaltigkeitsaussagen sind nicht nur eine Frage des Marketings, sondern betreffen das gesamte Unternehmen. Mitarbeiter:innen, von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb, sollten über die neuen Regeln informiert und darin geschult werden, wie sie glaubwürdig und transparent kommunizieren können.
5. Proaktive Transparenz als Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die die neuen Regeln nicht nur als Pflicht, sondern als Chance begreifen, können sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit positionieren. Wer heute bereits offen über seine Umweltperformance kommuniziert, wird morgen das Vertrauen der Kund:innen gewinnen.
Nachhaltigkeit braucht Belege und das ist gut so
Die strengere Regulierung von Nachhaltigkeitsaussagen ab 2026 ist ein wichtiger und überfälliger Schritt. Sie schützt Verbraucher:innen vor Greenwashing und schafft klare Rahmenbedingungen für Unternehmen, die wirklich nachhaltig handeln wollen. Gleichzeitig bietet sie die Chance, Vertrauen aufzubauen, Glaubwürdigkeit zu stärken und sich als führendes Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit zu etablieren.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer künftig mit Nachhaltigkeit werben möchte, muss Belege liefern. Das erfordert zwar mehr Aufwand, aber es lohnt sich. Denn am Ende geht es nicht nur um Compliance, sondern um echte Nachhaltigkeit und die ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für das Geschäft.
Die neuen Regeln sind also nicht nur eine Herausforderung, sondern eine Einladung, Nachhaltigkeit ernst zu nehmen und sie zum Kern der eigenen Marke zu machen. Unternehmen, die diese Chance nutzen, werden nicht nur die regulatorischen Anforderungen erfüllen, sondern auch das Vertrauen ihrer Kund:innen gewinnen – und damit langfristig erfolgreich sein.
Quellen und weiterführende Informationen
Verbraucherzentrale: Greenwashing erkennen und vermeiden
Studien zu Verbrauchervertrauen und Nachhaltigkeitskommunikation (u. a. von Nielsen, Edelman Trust Barometer)



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